China 2011

Juni 22 im Jahre 11.

Es ist 11.59 Uhr und ich begebe mich in die Berliner U2 um dann mit dem Regio-Express zum Flughafen Schönefeld zu fahren.

Abflug 14.05 im mäßig zuvorkommenden Flieger einer renommierten russischen Fluggesellschaft.

Knapp 3 Stunden später bin ich am ersten Zwischenhalt angekommen.

Moskau.

 

Hier nun habe ich etwa 5 Stunden zu verbringen, was mir leicht fällt da ich einen flotten 700 Seiten Wälzer zu Lesen beginne.

Pünktlich um 22.25 Uhr russischer Zeit stolpere ich nun in den üppigen Langzeitflieger nach Peking.

Hier lässt es sich aushalten, O.k.´es Essen, ne zünftige Filmauswahl am Hinterkopf meines Vordernachbarn und passable Sitzapparate.

Ich hatte mir vorgenommen mindestens 4 Stunden zu Grunzen, woraus leider nur 2 wurden, da alle furz lang das Krankenhauslicht brannte und man flüssig oder feste "Astronautennahrung" angeboten bekam.

Nach 7 Stunden und 40 Minuten erreichte ich um 10 Uhr vormittags Chinesischer Zeit Peking.

Dort angekommen freute ich mich schon auf meine mitgebrachten Proviant- Reserven.

Allerdings wurden mir meine Kumquats und Radieschen abgenommen, da sie dem Schnüffelhund und somit auch dem Personal suspekt vorkamen.

Der nun folgende Wechsel vom Terminal 2 zu T3 dauerte geschlagene 10 Minuten mit dem Bus auf einer Schnellstraße.

Wie man sich jetzt denken kann, ist der Pekinger Flughafen von monströsem Ausmaß.

Ich bin keine 3 Augenblicke in China und schon sehe ich überall „fake-stuff“… Ipad´s mit schwarzem Apfel, Lacoste Shirts mit nem Schrumpeligen Kroko und Louis Vuitton Taschen die keine sind.

13.15 Uhr stieg ich in den China Air Flieger und knickte sofort, als ich eine Stunde später wieder aufwachte flogen wir 30 Minuten delayed los.

Endlich mal n Vogel mit Charakter!

Zum Teil auseinander fliegende Sitze, komplett verharzte Decken- Bedienelemente und ein Geräuschpegel wie bei einem Viehtransporter.

 

Um 15.30 Uhr ist es endlich soweit, ich bin am Ziel in Qingdao angekommen, eine Insel-Stadt die für Ihre riesige Strandpromenade und den kulinarischen Meeresfrüchten bekannt ist.

Dort werde ich mit einem übergroßen "Mitch Alive"- Schild freundlich aber verklemmt empfangen.

Was zweifellos an den nicht vorhandenen Englischkenntnissen lag.

Denn auf einfache Fragen wie "are you David?", wurde mir als Antwort lediglich ein leicht verwirrtes Lächeln entgegengebracht.

Ach ja… es Regnet.

Somit war meine blumige Vorstellung eines Nickerchens am zauberhaften Sandstrand erst mal futsch.

Ebenso überraschten mich die Unmengen an grauen Fabriken.

Soweit das Auge reichte sah man nur Industriegebäude, riesige Kräne und eifrig arbeitendes Volk.

Im Hotel angekommen fiel ich nach fast 23 Stunden Reise ins Bett.

Dieser Spaß dauerte allerdings nur circa eine Stunde, denn dann gab es das Dinner mit dem Clubmanager David, seiner rechten Hand Toni und meinem stummen Begleitschutz.

Ich nenne ihn Hah.

Das Essen ist vielseitig, üppig und durchaus schmackhaft… Ente, Fisch, Reis, Bohnen, Huhn und noch einiges mehr.

Wir stoßen bei jedem Schluck Getränk gemeinsam an.

Wobei klar ist, dass jeder die gleiche Menge Trinkt und außerdem zelebriert man jeden einzelnen Schluck.

Was mich ebenso schmunzeln ließ war die Tatsache,

dass während des Essens ununterbrochen geraucht wird.

Gut gesättigt watschle ich noch für´n Stündchen ins Hotel um anschließend auf ein paar Kaltgetränke in den Club meines morgigen Gigs zu gehen.

Bereits am Einlass ist nicht zu übersehen das ich hier am morgigen Freitag ein Gastspiel habe.

Denn ich hänge in Form eines Posters Lebensgroß am Eingang des Vivi Clubs.

 

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Das Vivi ist eine ziemlich abgefahrene Mischung aus Barock, Western und Stadtranddiskothek.

Ich mag tatsächlich diese Mischung, was mit Sicherheit auch an dem perfekt dazu passenden Publikum liegt.

Heute Abend ist offenbar Karaoke und das mit erfreulich hohem Niveau.

Als ich mich nach einer knappen Stunde für die Hotelmatratze entschied und gerade losgehen wollte, flatterte mir aus dem suspektem Nichts eine Dame hinterher mit dem lasziv angehauchtem Satz:

"do you wanna drink a beer with me?".

Als ich Sie darauf hin frug wie oft sie diese Frage jemanden zuvor stellte, verschwand sie mit einem Lächeln.

 

Es ist Freitag und ich mache mich mit einer Chinesisch/ Englischen Stadtkarte auf zur Insel-Erkundungstour.

Immerhin hat die Insel wohl einiges zu bieten, glaubt man den Touristenführern im Internet.

Gerade mal 30 Gehminuten von meinem Hotel entfernt bin ich auch schon an der Strandpromenade angekommen.

Die Sicht ist heute aufgrund des nebligen Wetters etwas eingeschränkt, trotzdem sind das Meer und die darum liegenden Monumentalbauten ziemlich imposant.

Man sollte sich flink daran gewöhnen stets angestarrt zu werden,

denn hier gibt es fast keine Touristen die nicht Asiatisch sind.

Einige wollten ein Foto mit mir, einige mich umarmen oder sogar Küssen.

Dies alles trägt dazu bei, dass man ununterbrochen Lächeln muss, wobei man allerdings immer schön den rasanten Straßenverkehr beachten sollte.

Denn irgendwie scheint zumindest für die Mokick-Fahrer alles erlaubt zu sein… ohne Helm und ohne Licht fahren und sogar auf der entgegengesetzten Fahrspur rollern.

Nach meinem 5 Stündigen Ausflug brummt mir mächtig der Magen und weil ich auf diversem Anraten kein Magenverstimmungs-Risiko eingehen möchte, gehe ich erneut in das Restaurant von gestern Abend.

Ich werde mit einem freundlichem "Nín hǎo" begrüßt und das war´s auch mit der Kommunikation,

denn es scheint das hier niemand dem Englischen mächtig ist.

Nicht mal ein Wort. Egal welchen Alters. Dann bekam ich eine Bedienung zugewiesen die wohl Englisch spricht und mich mit einem sehr freundlichen "what´s wrong with you?" anspricht.

 

Als ich anschließend ne gute halbe Stunde "chillaxte"

ging es dann noch zum offiziellen Dinner mit den Clubmanagern

auf ein ziemlich schickes Dachgeschoß mit einer unglaublich lauten Bedienung.

Dabei kann ich sagen, dass die Chinesen meiner Auffassung nach ein eher lautes Volk sind,

welches sogar wenn es laut ist, leise ist.

Übrigens ist es auch gang und gebe beim Dinieren völlig ungeniert zu Rülpsen oder den Darm zu Winden.

Beim Clubverhalten der Chinesen stellte ich einige Parallelen zum russischen Nachbarland fest…

"immer feste druff" könnte hier das Motto heißen.

Am besten es ist schnell, aktuell, laut, hart und oder spektakulär.

So ist es nicht verwunderlich das dich die meisten Clubgäste die ganze Zeit anstarren als würde man mit einem Jet-Pack landen, und während des Auflegens noch eine Bauchredner-Feuer-Artisten-Show zum Besten geben.

Nach ein paar netten Gesprächen und unzähligen Autogrammen (obwohl die meisten wahrscheinlich nie etwas zuvor von mir hörten) stolpere ich zum Hotel um wenigstens noch gute 3 Stunden Schlaf

zu erhaschen.

 

Am nächsten Morgen kam ich nicht umhin bei einer Straßen-Hochzeit-Zeremonie mit dabei zu sein.

Ja dabei!

Und zwar direkt auf dem großen Platz vor dem Hotel wurde ich direkt eingeweiht,

Bunt geschmückt und zum Tanzen aufgefordert.

Mit lautem "Knattarapeng" aufwendig schrillen Kostümen und viel Rhythmus-Getöse.

Was mir nach so wenig Schlaf und Plötzlichkeit ziemlich crazy vorkam.

Aber irgendwie war das genau nach meiner Façon.

Der Spaß hielt natürlich nur einige Minuten dann kamen auch schon meine Flughafenzubringer,

welche mir nur mit einem freundlichen Blick signalisierten "Wir sind´s".

Aber da ich mich ja bereits auf die wichtigste aller Sprachen besonnen hatte nämlich die Körpersprache,

war das auch kein Problem.

Als wir das Gepäck verstauten ließ sich urplötzlich der Kofferraum nicht mehr schließen.

Was egal schien da wir ja spät dran waren… fahren wir halt mit offenem Kofferraum auf dem Highway.

Nein. Wir fuhren zur nächsten Werkstatt wo man uns umgehend geholfen hatte…

Verkleidung ab basteln und mit einem gefühlt 86 Jahre altem Schweißgerät der Marke Eigenbau

ran ans Flicken.

Oki doki, dass kostete uns locker mal 20 Minuten, wenn jetzt alles easy läuft

schaffe ich auch noch meinen Vogel nach Peking.

Und dann, Stau!

O.k., das war´s dann wohl mit dem Stadtbummel.

Aber die Jungs gaben hoch motiviert alles… da wo Lücken waren hupten und quetschten wir uns durch und wenn es keine Lücken gab, schafften wir uns welche.

Und tatsächlich kurz vor Peng, geschafft!

 

Diesmal flog ich mit einer wirklich erwähnenswerten Fluglinie "Shandong Airlines".

Ein junges schmissiges Team,

viel Platz und wirklich gutes Essen machten die Tour auf´s Festland Ultra angenehm.

In Peking ging dann alles ziemlich flott.

Kurz aufwärmen mit dem Manager "Mi" mit dem ich mich sogar ein bisschen verständigen konnte, ins recht pompöse Hotel,

ne Stadtkarte geschnappt und auf geht´s.

Knappe 5 Stunden für ne flinke Stadttour.

Darüber gibt es nicht all zu viel zu berichten, außer dass im Gegensatz zu Qingdao hier nur Strom Fahrräder und Mopeds fahren und nahezu alle Gebäude an den Wolken kratzen.

Husch, husch ins Hotel und weiter zum Dinner "Chinese Cuisine" welche zur besten Küche China´s zählt.

Und das war auch mit Abstand das beste Chinesische Essen was ich je hatte, besonders die Traditionell zubereitete Peking Ente gewickelt in Pancakes, bekrümelt mit frischen Zwiebeln und gespickt mit Süß-Saurer Soße….YUUUUMMMM!!!

Dort traf ich dann auch Jeff welcher seit etwa 7 Jahren in China lebt und in New York aufwuchs.

Er ist so was wie der Funk & Soul- Pionier in Peking, da er zusammen mit Freunden seit Jahren akribisch

eine Musik-Szene aufbaut.

Nun aber hurtig zum Club welcher bereits proppenvoll ist.

Mein Set beginnt Pünktlich um 0.00 Uhr (worauf hier anscheinend großen Wert gelegt wird).

Allein auf meinem Floor tummeln sich circa 600 Leute die bereits abgehen wie Schmidt´s Katze.

Hier ist alles noch bunter Und verrückter als am Abend zuvor…

sehr fashionable Mädels und Buben und passend dazu erstrahlt direkt hinter mir eine Leinwand mit Victoria Secret Fashion-Shows.

Kein Zweifel die brauchen Vollgas und das bekommen sie auch.

Ich schaute auch nicht schlecht drein als ich zur Toilette ging…

Als ich zum Waschbecken bewegte öffnet einer den Wasserhahn für mich und seift meine Hände,

der nächste Massiert mich, dann steckt mir einer einen Kaugummi in den Mund

und ein weiterer tastet mich ab und fragt "Money? Money?".

Gegen 4 Uhr dachte ich mir mich besser zu verdrücken damit ich wenigstens noch 3 1/2 Std. Schlaf habe.

Nach dem Pipi machen, Zähne Putzen und unter die Decke murmeln stellte ich fest, dass ich meine Kopfhörer im Club vergessen hatte. NEIN. GRRR.

Aber mein Fleisch war schon zu schwach um noch mal zurück zu gehen und so hoffte ich, dass es sich am nächsten Morgen schon irgendwie regelt und ich jemanden dort antreffe...

 

…Ende gut, alles gut.

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